2011-10-20 - 11:20:28
Bei der Reise von Wirtschaftsminister Philipp Rösler ruhen die Hoffnungen der Gastgeber und vieler mitgereister deutscher Unternehmer auf der Solarenergie. Doch die Realisierung steht in den Sternen.Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler und der griechische Wirtschaftsminister Michalis Chrysochoidis in Athen. dpa
Die beste Werbung findet draußen vor der Tür statt. Während es in Deutschland bedeckt und lausig kalt ist, strahlt die Sonne vom leuchtendblauen griechischen Himmel auf das Tagungshotel Divina vor den Toren Athens. Wer jetzt an Solarzellen denkt, kann sich leicht ausmalen, wo die Sammelanlagen himmlischer Energie wohl effizienter und kostengünstiger betrieben werden können.
Drinnen, im Saal Aristoteles, fasst Energieminister Georgios Papakonstantinou die hitzige Lage in kühle Zahlen: 300 Sonnentage genieße sein Land, die Erzeugung von Strom mittels Solarkollektoren sei hier um 50 Prozent günstiger als in Nordeuropa. Und deshalb, wirbt er bei der aus dem fernen Deutschland angereisten Unternehmerdelegation, habe das Projekt "Helios" auch eine strahlende Zukunft verdient.
Fast die Hälfte der rund 50 Firmenvertreter ist in der Energiewirtschaft engagiert.
Politische Hürden in Deutschland, den Ausbau der Solarwirtschaft von heimischen Dächern an die Ägäis zu verlagern, sieht der Energieminister nicht. "Was sollten deutsche Kunden und Steuerzahler dagegen haben, wenn sie dadurch billigeren Strom bekommen", fragt er fast ketzerisch. Dass man die in Europa angepeilten Klimaziele auch durch Investitionen beim Nachbarn erbringen könnte, hätten die EU-Staaten doch gemeinsam beschlossen. "Man muss es nur noch umsetzen." Vor allem, wirbt der eloquente Grieche mit Ausbildung in den USA, sei "Helios" doch viel realistischer als die Fata Morgana "Desertec"; vor allem deutsche Unternehmen wollen in der nordafrikanischen Wüste, irgendwann mal, Sonnenenergie gewinnen und nach Europa leiten - für lächerliche 400 Milliarden Euro Investitionssumme. Da liegt die griechische Idee nicht nur räumlich näher.
Statt auf derart hochfliegende Pläne zu warten, setzen handfeste Unternehmer wie Rolf Rössig auf die überschaubare Lösung. Seine MELA Industrieprodukte GmbH aus Hohenbrunn plant dezentrale Kleinkraftwerke, statt sich auf die zentrale Planung zu verlassen.
Die Produktionsanlage eines griechischen Partners, der Systec A.E., steht in Saloniki bereit, die Technik ist weit gehend vorhanden. Wenn alles gut geht, soll bis zum kommenden Frühjahr ein Modellkraftwerk mit zwei Megawatt Leistung stehen, das eine Kommune versorgen könnte. Der Clou ist vor allem die rechtliche Konstruktion: Da es in Griechenland schwierig ist, Grundstücke zu finden und Genehmigungen zu bekommen, setzt Rössig auf die Zusammenarbeit mit den Stadtverwaltungen. 30 Prozent des erzeugten Stroms bekommt die Gemeinde für ihre Zwecke, muss dafür aber nichts bezahlen. Beim Zwei-Megawatt-Kraftwerk entspräche dies einem Vorteil von rund 80 000 Euro. Im Gegenzug könnten vielleicht die übrigen Einnahmen sogar steuerfrei sein.

